jenakolleg Rundbrief im April 2009
Liebe Kunden und Freunde von jenakolleg!
Liebe Interessenten!
Noch innerlich und äußerlich gewärmt von diesen wunderbaren Ostertagen möchten wir Ihnen mit diesem Brief ein, wie wir denken, passendes und Lebensfreude ausstrahlendes Gedicht von Mascha Kaléko mitgeben:
Sozusagen grundlos vergnügt
Ich freu mich, dass am Himmel Wolken ziehen
und dass es regnet, hagelt, friert und schneit.
Ich freu mich auch zur grünen Jahreszeit,
wenn Heckenrosen und Holunder blühen.
- Dass Amseln flöten und dass Immen summen,
Dass Mücken stechen und dass Brummer brummen.
Dass rote Luftballons ins Blaue steigen.
Dass Spatzen schwatzen. Und dass Fische schweigen.
Ich freu mich, dass der Mond am Himmel steht
und dass die Sonne täglich neu aufgeht.
Dass Herbst dem Sommer folgt und Lenz dem Winter,
gefällt mir wohl. Da steckt ein Sinn dahinter,
wenn auch die Neunmalklugen ihn nicht sehn.
Man kann nicht alles mit dem Kopf verstehn!
Ich freu mich. Das ist des Lebens Sinn.
Ich freue mich vor allem. Dass ich bin.
In mir ist alles aufgeräumt und heiter;
Die Diele blitzt. Das Feuer ist geschürt.
An solchem Tag erklettert man die Leiter,
die von der Erde in den Himmel führt.
Da kann der Mensch, wie es ihm vorgeschrieben,
- weil er sich selber liebt – den Nächsten lieben.
Ich freue mich, dass ich mich an das Schöne
und an das Wunder niemals ganz gewöhne.
Dass alles so erstaunlich bleibt, und neu!
Ich freue mich, dass ich… Dass ich mich freu.
Mascha Kaléko ("In meinen Träumen läuft es Sturm", dtv)
Dass diese Frau nicht immer nur Anlass zur Freude hatte, wird einem bewusst, wenn man sich in ihr Werk vertieft und sich ihre Lebensdaten anschaut. Hier ein kurzer Abriss, der neben obenstehendem Gedicht vielleicht Interesse wecken kann, sich intensiver mit dieser Dichterin der Moderne zu befassen.
Die Tochter eines russischen Vaters und einer österreichischen Mutter wird am 7. Juni 1907 im galizischen Schydlow (im heutigen Polen) als Golda Malka Aufen geboren. Später nennt sie sich Mascha Engel. Schul- und Studienjahre erlebt sie in Berlin. 1928 heiratet Sie den Philologen S. Kaléko, von dem sie sich 10 Jahre später scheiden lässt. Veröffentlichungen erster Gedichte erscheinen 1930 in der "Vossischen Zeitung" und im "Berliner Tagblatt". In Berlin gehört sie zur Künstlerbohème um das "Romanische Café" wie u.a. auch Tucholsky und Ringelnatz. Ihr 1933 erscheinendes "Lyrisches Stenogrammheft" wird begeistert rezensiert und verkauft sich erfolgreich.
Bereits im Mai 1933 wird ihr Gedichtband von den Nazis verbrannt, als bekannt wird, dass sie Jüdin ist. 1934 druckt Rowohlt dennoch ihr "Kleines Lesebuch für Große" und 1935 eine Neuauflage des Erstlings. Mit ihrem zweiten Mann Chemjo Vinaver und Sohn Steven emigriert Mascha 1938 nach Amerika. Der Verlust von Heimat, Kultur und Muttersprache trifft sie schwer und prägt fortan auch ihre Gedichte. Erst 1956 erscheinen in Deutschland die bereits 1945 im Exil veröffentlichten "Verse für Zeitgenossen". Den ihr zugedachten Fontane-Preis lehnt sie 1959 wegen der SS-Vergangenheit eines Jury-Mitglieds ab. Ihrem Mann zuliebe zieht sie 1966 nach Israel, lebt dort jedoch in Einsamkeit und Isolation. 1968 und 1973 sterben in zwei schweren Schicksalsschlägen nacheinander ihr Sohn und ihr Mann. 1974 keimt mit dem Versuch einer Rückkehr in ihre alte Heimat Berlin noch einmal Lebenshoffnung auf und lässt sie ihr dichterisches Schaffen wieder aufnehmen. Am 21. Januar 1975 stirbt Mascha Kaléko in Zürich, noch ehe sie Berlin erreichen konnte.
So wenig bekannt die Lyrikerin Mascha Kaléko heute noch ist, so sehr haben doch ihre Gedichte überlebt. Ihre Themen, der Alltag in der Großstadt Berlin, die melancholische Suche nach dem "sogenannten Glück" und immer wieder die Liebe und deren Scheitern haben trotz der Zeitbezogenheit ihrer Gedichte nichts von ihrer Aktualität eingebüßt. Ihr Ton erinnert an Kästner, heiter-melancholisch, ironisch durchbrochen, und doch ist er vielleicht poetischer, wehmütiger, insbesondere im Exil verzweifelter als der des "sachlichen Romantikers".
So tragisch auch ihr Leben, geprägt von Verlusten und Einsamkeit, verlief und so schwermütig wie ihre Gedichte bereits in jungen Jahren waren, konnten ihr dennoch alle Unbilden nicht die Leichtigkeit und Schärfe, die Eleganz und den ironischen Spott rauben, der so viele ihrer kleinen lyrischen Perlen auszeichnet.
Wie wir persönlich erfahren haben, kann ein kleines Gedichtbändchen dieser bewundernswerten Frau ein guter Begleiter durch den Alltag und natürlich auch auf Reisen sein.
Spätestens seit Ostern spüren wir es: der Frühling scheint nun doch endlich die Oberhand zu gewinnen! Dies und die damit wieder erwachenden neuen Lebensgeister ermutigen uns, Ihnen nicht nur von Herzen eine wirklich schöne Zeit zu wünschen, sondern auch mit unserem teilweise aktualisierten Programm die eine oder andere Idee beizusteuern für schöne Ziele, die man sich schon immer mal vornehmen wollte. Vielleicht weckt ja der Frühling bei Ihnen neben den Lebensgeistern auch wieder die Reiselust …?
Was nun unsere diesjährigen Angebote angeht, so hat sich Manches geändert, und Neues ist hinzugekommen, wie die Eine oder der Andere ja vielleicht schon unserer Internetseite entnehmen konnte.
Auf eine Reise möchten wir zuerst hinweisen, weil die Buchungsmöglichkeit wegen Optionsfristen nur bis zum 30.04.09 möglich ist:
Ein himmlisches Wochenende im Herzen Deutschlands - Reise vom 14. bis 16. August 2009
Es ist durchaus ein Erlebnis der besonderen Art, wenn sich die Töne von Carl Orffs Eingangschor „O Fortuna“ aus seiner szenischen Kantate „Carmina Burana“ den Domstufen St. Mariens folgend hinauf in den Erfurter Abendhimmel erheben. Der Erfurter Dom und St. Severi bilden dabei eine prächtige Kulisse für den ersten Höhepunkt unserer himmlischen Entdeckungen im Herzen Deutschlands. Aber dies ist nur der Auftakt für ein unvergessliches Wochenende, an dem Sie auch an den folgenden Tagen dem Himmel ganz nah sein werden. Sei das an der Stätte des sensationellen Fundes der Himmelsscheibe von Nebra oder im einzigartigen Zeiss-Planetarium zu Jena: Sie werden die mitteldeutsche Region im Rahmen einer Stippvisite zu absoluten Höhepunkten dieser Kulturlandschaft mit Sicherheit lieben lernen und bestimmt Lust auf mehr verspüren.
Detaillierte Informationen finden Sie hier:
www.jenakolleg.de/ein-himmlisches-wochenende-im-herzen-deutschlands.html
Speziell möchten wir an dieser Stelle auch noch einmal auf unsere Oberlausitzreise im Oktober hinweisen, zu deren uneingeschränktem Höhepunkt mit Sicherheit der Ausflug nach Dresden mit dem Konzert in der Frauenkirche gehört. Ludwig Güttler, der als einer der maßgeblichen Initiatoren den Wiederaufbau dieses emotional und geschichtlich wichtigen Bauwerkes zu sehen ist, wird dort in einem Konzert mit dem Leipziger Bachkollegium zu erleben sein.
Aber sehen Sie selbst:
Ludwig Güttler in der Dresdener Frauenkirche und die zauberhafte Oberlausitz vom 15. bis 18.10.2009
Sanfte Hügelzüge und die Bergketten des Zittauer Gebirges, weite Felder, alte Alleen, kleine Dörfer mit liebevoll restaurierten Umgebindehäusern, idyllische Orte an der Neiße und stille Wälder: das ist die Oberlausitz im Osten des Freistaates Sachsen. Hier haben sich die Sorben unter dem Schutz der auch in der DDR-Zeit weiterbestehenden katholischen Klöster ihre Kultur und uralten Traditionen bewahren können. Für die Geschichte und Gegenwart der einzigartigen Region waren und sind die in alter Schönheit wiedererstehenden städtischen Zentren wie Görlitz, Bautzen und Zittau sehr wichtig. Diese in ihrer Gesamtkomposition und in vielen Details neu zu entdecken, wird Ihnen mit Sicherheit Freude bereiten. Einen besonderen musikalischen Höhepunkt dieser Reise werden Sie zweifellos bei unserem Exkurs nach Dresden erleben, wenn Ludwig Güttler in jener Kirche auftritt, für deren Wiederaufbau er sich persönlich ganz außerordentlich engagiert hat. Auch in ihm begegnen Sie einem der Menschen, deren Liebe zu ihrer angestammten oder bewusst gewählten Heimat Sie begeistern wird. Lassen Sie sich faszinieren von einer neu erblühenden Region im Osten Deutschlands.
Detaillierte Informationen finden Sie hier:
www.jenakolleg.de/oberlausitz-und-dresden---reise-vom-15-bis-18-Oktober-2009.html
Wie Sie sicher bemerkt haben, bieten wir seit dem letzten Jahr nun auch verstärkt Tagesreisen an, die sich neben der kulturhistorischen Begleitung in bester jenakolleg - Manier auch immer einem kulturellen Höhepunkt widmen. Am 10. Oktober diesen Jahres wird Leipzig unser Ziel sein:
Entdeckungen in Mitteldeutschland – Tagesausflug nach Leipzig für die Philharmonische Gesellschaft Jena e.V. und Interessenten am Samstag, 10.10.2009
Der bewegten Musik- und Geistesgeschichte in und um Leipzig nachzuspüren und als krönenden Abschluss Lucia Aliberti, die Königin des Belcanto, zu erleben – das berechtigt dann spätestens auf der Heimfahrt dazu, wie Goethe zu sagen: „Mein Leipzig lob ich mir!“
Lassen Sie sich zunächst mitnehmen nach Röcken, wo Friedrich Nietzsche geboren wurde und auch seine (vorerst!) letzte Ruhestätte fand und nach Lützen, wo der schwedische König Gustav Adolf in der legendären Schlacht gegen Wallenstein fiel und das nicht erst in der Gegenwart deshalb auch zu einer Wallfahrtsstätte vieler Schweden geworden ist.
Im Jahr des 200. Geburtstages Felix Mendelssohn Bartholdys ist es selbstredend unumgänglich, sich in seinem Leipziger Haus umzusehen. Ein Besuch der Motette in der Thomaskirche bietet sich für den Musikfreund natürlich auch an. - Zudem gibt es in Leipzig immer wieder genug zu entdecken: Altes und längst Vertrautes. Ein italienisches Abendessen ganz nach Gusto stimmt dann auf das großartige „Verdissimo“ der lyrisch-dramatischen Sopranistin mit virtuoser Koloratursicherheit im Gewandhaus ein: Lucia Aliberti.
Detaillierte Informationen finden Sie hier:
www.jenakolleg.de/tagesausflug-nach-leipzig-am-10-oktober-2009.html
Musikalisches / CD-Tipp
In den letzten Jahren hat sich die Zahl von Konzertbesuchen in unseren Programmen stetig erhöht. Das betrifft nicht nur Reisen, in denen das Leben und Wirken eines Musikers (J. S. Bach) oder Textdichters (P. Gerhardt) im Mittelpunkt stehen und die Werke der Künstler selbstverständlicher Bestandteil der Reisen sind. In diesem Jahr bietet jenakolleg eine Fülle von musikalischen Höhepunkten, wie Sie unschwer unserer Internetseite entnehmen können.
Lucia Aliberti wird im oben erwähnten Konzert Arien aus frühen Verdi-Opern singen. Eine hörenswerte CD zu diesem Werk finden Sie unter dem Titel „Verdissimo“ (DEAG Music GmbH/ Warner Music/2008 (www.rondomagazin.de/deag_aliberti.php).
Literarisches
In diesem Rundbrief soll das Gedicht von Mascha Kaléko als Solitär stehen, so dass wir auf andere literarische Texte hier verzichten.
Hinweisen möchten wir aber auf ein ungewöhnlich kluges und anregendes Interview. Michael Krüger (65) ist als Verleger (Carl Hanser Verlag) und Autor einer der interessantesten Intellektuellen der Bundesrepublik. Uneitel, selbstironisch, humorvoll und originell liest sich das dreiseitige Interview in „Die Zeit“ („Können Bücher trösten?“ – Dossier der Ausgabe vom 23.12.2008/Nr.1, S. 15-19). Es ist ein Genuß, weitab von schnell veralteten Texten kluge und über den Tag hinaus wichtige Gedanken aufzunehmen. Hier einige Auszüge:
ZEIT: Wir möchten mit Ihnen über die Ursachen der Krise reden und vor allem über Gegenmittel.
KRÜGER: Im Grunde ist die Krise folgerichtig: Schon seit Jahren erleben wir eine permanente Beschleunigung unserer Lebensverhältnisse, alles wird komplizierter, unverständlicher und irrealer. Keiner fühlt sich mehr auf der Welt zu Hause. Und ich sage das nicht nur, weil ich schon ein gesetzter Herr bin. Wir haben die Kontrolle verloren. Heute wissen wir, dass nicht einmal Herr Ackermann weiß, was das Geld seiner Deutschen Bank so genau treibt. Der Mensch ist dabei, sich selbst abzuschaffen. Dazu gehört auch die ungeheuerliche Kulturlosigkeit, die wir dadurch bemänteln, dass wir alles Kultur nennen: zum Beispiel die Bankenkultur, deren beklagenswertes Ende wir gerade erleben. Ich muss lachen, wenn von der neuen Wissensgesellschaft geredet wird. Die Wahrheit ist doch: Wir sind auf dem besten Weg, total zu verblöden.
ZEIT: Das klingt ziemlich düster. Was könnte das Gegengift sein? Ist die Kultur eine wirksame Waffe gegen Krisen aller Art?
KRÜGER: Ich habe vor ein paar Tagen mit dem achtzigjährigen Jochim Kaiser...
ZEIT: ...dem großen Feuilletonisten der Süddeutschen Zeitung ...
KRÜGER: ... darüber geredet, ob Bücher den Menschen trösten können. Ich glaube, große Bücher können die Seele beruhigen. Aber können sie trösten? Ich weiß es nicht.
ZEIT: Will man sich von Literatur nicht anregen lassen? Erfahren, wie man leben soll?
KRÜGER: Bestimmt. Von den Sorgen und Nöten der Menschen, von ihren Abgründen handelt die Literatur, das hat die Avantgarde vergessen. Ebenso möchte man von ihren Siegen lesen, davon, wie das geht, aufrecht durchs Leben zu gehen. Haltung zu zeigen. Kurz, man möchte die Welt durch Bücher besser verstehen. Novalis sagt: Jeder Mensch ist eine kleine Familie. Sigmund Freud hat das variiert. Jeder Mensch ist eine kleine Gesellschaft. Das heißt, in mir wohnen viele verschiedene Ichs. Und irgendwann im Leben merkt man, dass unser Gemeinwesen nur ein Ich von uns will, das ist die Tragödie. Literatur kann diese Eingleisigkeit korrigieren…
ZEIT: Was gehört noch zu Ihrer Revolution?
KRÜGER: Eine Stunde pro Woche müsste in der Schule Kindern beigebracht werden, wie man schweigt. In einer anderen Stunde müsste die Fähigkeit gelehrt werden, alleine sein zu können. Das ist nämlich auch merkwürdig, alle wollen immer zusammen sein. Dabei kann Alleinsein doch etwas Wunderbares sein. Leser wissen das natürlich. Ich liebe das Bild des kleinen Mädchens, das völlig versunken unter einem Baum sitzt und ein Buch liest, andererseits kriege ich Panik, wenn ich einen Jungen beobachte, wie er mit glasigen Augen sein Computerspiel traktiert…
ZEIT: Können Sie der aktuellen Krise auch irgendetwas Positives abgewinnen? Zeigt sich hier und da plötzlich unvermutete Charakterstärke?
KRÜGER: Ich glaube nicht, dass wir durch die Krise eine nachdenkliche Nation werden, ich fürchte eher das Gegenteil. Jetzt beginnt erst die wirkliche Gier. Und zwar die Gier aus Not. Bisher gab es die Gier aus Überfluss. Mir ist nicht wohl bei der Vorstellung, dass schnell eine Million Menschen arbeitslos werden. Ich fürchte, dass kollektiv die Ellbogen ausgefahren werden, diesmal für den wirtschaftlichen Überlebenskampf. Wir sind auf Krisen nicht vorbereitet. Wenn eine RTL-Gesellschaft der Schlag trifft, werden Kräfte frei, an die ich gar nicht zu denken wage. Ich hoffe nur, dass ich mich irre…
... Jeder unerprobte Leser sollte testen, ob Literatur ihn berührt, und diesen Test sollte man nur mit den besten Büchern beginnen. Das heißt, fangt an mit Moby Dick von Herman Melville, mit Thomas Mann oder mit Romanen von Joseph Roth. Und jungen Leuten, die sich für Verbrechen interessiere, rate ich zu Schuld und Sühne von Dostojewskij. Das sollen sie lesen, und dann merken sie schnell, ob es funktioniert, ob sie die Welt der Literatur fasziniert. Wenn nicht, sollen sie es lassen. Sich zu zwingen bringt nichts.
ZEIT: Welche Bücher möchten Sie mit auf die Insel nehmen?
KRÜGER: Auf jeden Fall ein Handbuch zur Fallenstellerei, auf keinen Fall das Buch Wie man Salat zubereitet. Auch die Bibel könnte nicht schaden. Jeder sollte sie gelesen haben. Vor allem das Alte Testament steckt voller wertvoller Lebensgeschichten.
ZEIT: Was kommt noch mit?
KRÜGER: Die Tagebücher von Kafka. Es ist so ein Buch, das spiegelt, wie man sich selber verändert. Allein wenn ich mir die Anstreichungen und Markierungen ansehe, die ich über die Jahre auf den Seiten gemacht habe.
ZEIT: Rilke?
KRÜGER: Gehört auch dazu. In meiner Insel-Bibliothek stehen vor allem die Tagebücher, die Aufzeichnungsbücher, Lichtenberg, Amiel, Rilke, Renard, Botho Strauß und Peter Handke. Canettis Aufzeichnungen, darin könnte ich jeden Abend lesen, unauslesbar, unausschöpflich. Und jede Menge Gedichtbücher, von Horaz bis Grünbein und Tranströmer, das trainiert das Gedächtnis. Da es auf meiner Insel keinen Fernseher gibt, bevorzuge ich natürlich Bücher voller Ideen. Und meine Frau nimmt eine Geschichte der Architektur mit, damit wir uns ein ordentliches Haus bauen können; auch wenn es die Große Welle dann fortschwemmt – und uns mit dazu.
ZEIT: Haben Sie Mitleid mit Kiepenheuer & Witsch, jenem Verlag, der Charlotte Roches Buch Feuchtgebiete abgelehnt hat, das dann solch ein Megaseller geworden ist?
KRÜGER: Nein. Ich halte das für ein blödes Buch, die sollten glücklich sein, dass sie es nicht im Programm haben.
(Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Zeitverlages; das ganze Interview unter www.zeit.de/2009/01/DOS-01-Krueger)
Bleiben Sie uns gewogen.
Herzlich,
Ihr Wolfgang Bathe und Ihre Kerstin Preuß

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