jenakolleg Rundbrief im August 2009
Liebe Kunden und Freunde von jenakolleg!
Liebe Interessenten!
Die Deutschen haben sechs Monate Winter und sechs Monate keinen Sommer. Und das nennen sie Vaterland. Napoleon I. Bonaparte, (1769 - 1821)
Es scheint aber, dass der Sommer nun doch endlich da ist…, egal, was Napoleon meinte.
Sie sind vielleicht im Urlaub oder haben auch so Muße, unseren neuen Rundbrief zu lesen und auf unsere Bitte unter „Pläne 2010“ zu reagieren.
Vorher aber möchten wir Sie aufmerksam machen auf einen Artikel von Prof. Kiesow, den so verdienstvollen Vorsitzenden des Vorstandes der Deutschen Stiftung Denkmalschutz.
Im letzten Heft des Organs der Stiftung, Monumente, hat er in der von ihm stets verfassten Rubrik „Ein Wort voraus“ einen Lobgesang auf Görlitz gesungen, in das wir vollen Herzens einstimmen möchten:
„Görlitz nenne ich die schönste Stadt Deutschlands, weil sie ein geschlossen erhaltenes historisches Gesamtkunstwerk darstellt, das qualitätsvolle Bauten aus vier Kunstepochen enthält: nämlich gotische Kirchen, Tortürme und Hallenhäuser, dann ab 1525 – als erste Stadt in Deutschland – Bürgerhäuser im Stile der direkt von Italien beeinflussten Renaissance, schließlich die vom sächsischen Barock inspirierten Neubauten, entstanden nach den Bränden von 1691, 1717 und 1726, sowie die eindrucksvolle Stadterweiterung des Historismus mit ihren einheitlich gestalteten Straßen und Platzanlagen.
Nun fragen mich natürlich die Stadtväter der anderen, mir besonders am Herzen liegenden Städte wie Dinkelsbühl, Quedlinburg, Wismar, Stralsund und Wiesbaden, warum sie nicht diese Auszeichnung verdienen. Da pflege ich zu antworten, dass man sich dies wie bei einem Wettbewerb um Miss Germany vorstellen muss, wo sich die schönsten Frauen Deutschlands auf dem Laufsteg präsentieren, aber nur eine den Titel erhalten kann. Görlitz zeichnet sich dadurch aus, dass es hier keinerlei denkmalpflegerische Sünden durch Straßenverbreiterungen, störende Neubauten oder schreiende Reklame gibt.
Görlitz braucht diesen Titel aber auch vor allem deshalb, weil die Randlage zu einer starken Abwanderung geführt hat, so dass der Leerstand von historischen Bauten hier besonders hoch ist und man alles tun muss, um Menschen in diese wunderschöne Stadt zu holen. Einst war diese Position zwischen deutschen und slawischen Völkern ein Vorteil. Er wurde noch durch die günstige Lage am Übergang der berühmten Via Regia von Spanien nach Osteuropa über die Neiße gesteigert, an einer für den Handel offenen Grenze mit dem Privileg des Stapelrechts für den Waid: jener Pflanze, aus der allein man den kostbaren blauen Farbstoff für das Färben von Stoffen gewinnen konnte Der Wohlstand und die große Entfernung zum Landesherren in Prag erbrachten Vorrechte, die gleichrangig mit denen einer reichsfreien Stadt waren. Sie musste jedoch durch eine mächtige Stadtbefestigung geschützt werden, deren Türme denen von Frankfurt am Main an Monumentalität nicht nachstehen. So wurde die Stadt nie erobert, behielt auch nach den hohen Kontributionen als Folge des verlorenen Schmalkaldischen Krieges und durch den Niedergang des Handels nach dem Dreißigjährigen Krieg noch einen bescheidenen Wohlstand.
Dieser wuchs dann erneut beträchtlich, als Görlitz 1815 beim Wiener Kongress an Preußen fiel. Die Industrie blühte daraufhin auf, und gleichzeitig wurde die Stadt als „Pensionopolis“ attraktiv. Die Einwohnerzahl stieg von 10.000 im Jahr 1815 bis zum Zweiten Weltkrieg auf 90.000. Dann kam die kritische Zeit von 1945-90 mit der Teilung durch Oder-Neiße-Grenze und der Randlage an einer starr geschlossenen Grenze zum nunmehr polnischen Nachbarn. Dessen wirtschaftliche Schwäche ist das entscheidende Hindernis auch nach der Wiedervereinigung 1990 und dem Beitritt Polens zur Europäischen Union. Vor allem, solange in dem nun endlich ungehindert zugänglichen Polen noch nicht der Euro gilt. Ist dies erst der Fall, werden möglicherweise Bewohner vom polnischen Zgorzelec in das weitaus schönere Görlitz umsiedeln und den Leerstand an Wohnungen reduzieren. Dazu tragen schon jetzt viele Rentner und Pensionäre aus ganz Deutschland bei, die die Tradition der „Pensionopolis“ wieder aufleben lassen. So kann die Stadt zu einer neuen wirtschaftlichen Blüte kommen, wozu aber Selbstvertrauen und Optimismus gehören. Beides wurde nach Jahren der Resignation durch den zweiten Platz nach Essen bei der äußerst knappen Entscheidung über die Europäische Kulturhauptstadt 2010 in den Bürgern und städtischen Gremien geweckt ...“ (Professor Dr. Dr.-Ing. E. h. Gottfried Kiesow: „Mit Optimismus zur Blüte“ - In MONUMENTE , Magazin für Denkmalkultur in Deutschland, 19. Jg., Nr. 7/8, August 2009)
Nun zitieren wir den Ehrenbürger der Stadt Görlitz nicht nur, weil er das ausspricht bzw. schreibt, was wir empfinden. Zudem kommt uns dieser Artikel gerade recht, weil wir ihn zum Anlass nehmen können, noch einmal auf unsere Reise im Herbst hinzuweisen, die nicht nur Görlitz und andere Perlen der Oberlausitz wie Zittau (dort ist Prof. Kiesow auch Ehrenbürger!), Bautzen und Herrnhut berührt, sondern auch Dresden mit einem Konzert mit Ludwig Güttler in der Frauenkirche; informieren Sie sich unter
www.jenakolleg.de/oberlausitz-und-dresden---reise-vom-15-bis-18-Oktober-2009.html.
Lassen Sie sich von Gottfried Kiesow in der Ansicht bestärken, dass Sie diese Region erleben müssen!
Pläne 2010
Während wir noch intensiv mit der Vorbereitung und Durchführung der Reisen im Jahr 2009 beschäftigt sind, denken wir gleichzeitig bereits fleißig über unsere Pläne 2010 nach. Da wir natürlich möglichst genau Ihre Wünsche und Erwartungen treffen möchten, seien Sie hiermit herzlich in unsere ersten Überlegungen einbezogen:
Nachdem wir in 2009, wie bereits mit sehr positiver Resonanz im Vorjahr, eine Städtereise nach Krakau angeboten haben (einige Plätze für die diesjährige Reise gibt es noch – www.jenakolleg.de/krakau-die-magische-vom-13-bis-19-september-2009.html), planen wir nunmehr eine intensive Schlesienreise mit Übernachtungen im Riesengebirge (Karpacz/Krummhübel) und Breslau. Diese alte Kulturlandschaft strahlt immer mehr in altem Glanz in seinen wiederentstandenen Städten mit den großen Kirchen und Märkten, den Klöstern und solchen denkwürdigen Orten wie Kreisau und der zauberhaften Landschaft des Riesengebirges. Da auch die Infrastruktur inzwischen gut ausgebaut ist, verkürzen sich die Fahrzeiten. Eine Orientierung für diese Reise könnte die Skizze sein, die Sie unter www.jenakolleg.de/schlesien.html finden
In diesem Jahr gestalten wir für drei Gruppen Reisen in das südliche Mähren. Eine davon ist buchbar unter www.jenakolleg.de/reise-nach-maehren-vom-1-bis-7-september-2009.html (nur noch wenige Plätze!). Wir tragen uns mit dem Gedanken, Ihnen im nächsten Jahr das südliche Böhmen mit dem zauberhaften Moldautal, den wunderbaren Städten Budweis und Böhmisch Krummau, den alten Klöstern mit den großen Bibliotheken sowie den Traumschlössern der Schwarzenbergs und Rosenbergs ans Herz zu legen. Eine in diesem Sinne bereits durchgeführte wunderschöne Reise finden Sie zu Ihrer Orientierung unter www.jenakolleg.de/architektonische-und-landschaftliche-perlen-in-sued--und-westboehmen.html.
Im Jahr 2010 haben wir die Ehre, eine große Bachreise für den Basler Bach-Chor gestalten zu dürfen. Eine für unsere Kunden buchbare Reise auf den Spuren Bachs in Mitteldeutschland mit Konzerten namhafter Ensembles an seinen Wirkungsstätten im Rahmen des MDR Musiksommers bietet sich auch anlässlich Bachs 325. Geburtstages natürlich wieder einmal an. Schauen Sie doch einmal in den folgenden Link rein: www.jenakolleg.de/auf-den-spuren-eines-genies-johann-sebastian-bach.html.
Der mitteldeutsche Raum wird kulturgeschichtlich immer interessanter: Neue Museen mit bedeutenden Werken der klassischen Moderne wurden in Halle (www.kunstmuseum-moritzburg.de ) und Chemnitz (http://kunstsammlungen-chemnitz.justexpertise.de) und zu Ehren Bachs neugebaut (www.bachhaus.de) bzw. umgestaltet (www.bach-leipzig.de). Auch das Händelhaus in Halle präsentiert sich in neuer alter Schönheit. (www.haendelhaus.de/de). Das Schillermuseum in Rudolstadt wurde auf vorzügliche Weise neu geschaffen (www.schillerhaus-rudolstadt.de), und viele Wirkungsstätten der klassischen deutschen Literatur in Weimar und der Jenaer Frühromantik laden zu einem Besuch ein.
Unsere Idee, die wir noch ausfeilen müssen und in die möglichst viele Ihrer Anregungen einfließen sollten: Eine Reise in die mitteldeutsche Kulturlandschaft auf den Spuren der Dichter und Musiker mit Konzert- und Theaterbesuchen.
Eine letzte, vielleicht für einige von Ihnen etwas abwegige Idee, könnte aber dennoch den einen oder anderen von Ihnen oder Ihren Bekannten einen lang ersehnten Traum erfüllen: Als passionierter Motorradfahrer möchte ich eine Motorrad-Kulturreise anbieten. Mit Übernachtungen in Annaberg-Buchholz sind die zauberhafte Landschaft des Erzgebirges, des Vogtlandes und Westböhmens zu erreichen. Das größte Zweiradmuseum der Welt auf der Augustusburg, das Industriemuseum in Chemnitz, das Audi-Museum in Zwickau sind ebenso Ziele wie bedeutende andere Museen, die böhmischen Bäder und die größte Ziegelsteinbrücke der Welt.
Ein relativ neues Segment unserer Arbeit, das seit dem letzten Jahr deutlich an Leben gewinnt, sind unsere Tagesfahrten von Jena aus, für die es mit Sicherheit auch im nächsten Jahr viele lohnende Ziele in der Region gibt. In diesem Jahr stehen noch die zwei nicht nur von musikalischen Höhepunkten geprägten Reisen nach Leipzig aus, die vielleicht auch Ihr Interesse finden können:
http://www.jenakolleg.de/tuebke-und-mendelssohn---tagesreise-nach-leipzig-am-29-august-2009.html
http://www.jenakolleg.de/tagesausflug-nach-leipzig-am-10-oktober-2009.html
Nun unsere Bitte und unser Angebot: Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie uns zu unseren Vorstellungen Ihre Wünsche und Anregungen übermitteln, um diese berücksichtigen zu können. Finden Sie das interessant, was hier an ersten Überlegungen ausgebreitet wird? Was fehlt Ihnen, welche Ziele und Regionen wären Ihnen persönlich wichtig als Reiseziele? Welche Reisetermine sind besonders günstig für Sie? Was hat Ihnen als Teilnehmer an jenakolleg-Reisen besonders gefallen und was nicht? Welche Erfahrungen bei Reisen mit anderen Anbietern haben Sie gemacht, die für uns wichtig sein könnten?
Bitte senden Sie das, was Sie bewegt per Post an jenakolleg, Engelplatz 11, 07743 Jena oder per Email an unsere Adresse info@jenakolleg.de unter dem Kennwort: Pläne 2010. Wir wollen das ganz formlos handhaben, bitten aber um die Angabe Ihres Namens, Ihrer Anschrift, Ihrer Email-Adresse sowie Ihrer aktuellen beruflichen Tätigkeit. Bitte teilen Sie uns auch mit, ob Sie bereits Erfahrungen mit jenakolleg gesammelt haben. – Alle Ihre Angaben werden absolut vertraulich behandelt und dienen ausschließlich der Vervollkommnung unseres eigenen Angebotes.
Wir sind gespannt auf Ihre Reaktion. Als kleines Dankeschön für Ihre Unterstützung losen wir unter den Einsendungen zwei Teilnehmer aus, die bei Buchung einer Reise mit uns je 200,--€ Rabatt erhalten. (Der Rechtsweg ist ausgeschlossen – Einsendeschluss ist der 15.09.2009).
Musikalisches / CD-Tipp
Bei einer Reise durch Thüringen mit einer Gruppe aus Niedersachsen und Westfalen haben wir wieder einmal eine der Residenzen der Thüringer Landgrafen, die Creuzburg, besucht und übrigens in der Burggaststätte sehr gut gespeist. Die zauberhaft im Werratal gelegene Burganlage mit Blick auf das Städtchen und die romantische Werrabrücke mit der Liboriuskapelle erinnert nicht nur an Elisabeth von Thüringen, sondern auch an den berühmtesten Sohn der Stadt: Michael Praetorius (1571-1621), einen der bedeutendsten deutschen Komponisten vor Bach und gleichzeitig Musikschriftsteller und –theoretiker. Den Meisten ist zumindest sein vierstimmiger Satz des Weihnachtsliedes „Es ist ein Ros entsprungen“ bekannt.
Eine echte Entdeckung könnte auch für Sie die CD-Box (3 CDs) „Meister der Renaissance“ mit vielen großen Interpreten sein (u.a. Ton Koopman, Thomanerchor, Peter Schreier, Blechbläserensemble Ludwig Güttler u.v.a. - Capriccio, Delta Music 2004, Best.-Nr. 67088/90).
Literarisches
Bei der Vorbereitung einer Reise nach Würzburg haben wir Leonhard Frank (geb. 1882 in Würzburg, gest. 1961 in München) „wiederentdeckt“, einen der bedeutendsten sozialkritischen Erzähler in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Der Aufbau Verlag Berlin hat 1991 eine sehr schöne Ausgabe „Ausgewählte Werke in vier Bänden“ ediert, die neben den wichtigsten Romanen die Erzählungen und die Kurzgeschichten einschließt. Immer noch sehr lesenswert und in ihrer sozialkritischen Sicht sehr aktuell.
Wenn Ihnen das zu viel wird, ein alternativer Tipp: In einer Kurzgeschichte (New-Yorker Liebesgeschichte) von Leonhard Frank sind sich zwei handelnde Personen einig, dass „…der beste Detektivroman, der je geschrieben wurde,… ’Der Mann, der Donnerstag war’ …“ von Gilbert Keith Chesterton (1874-1936) wäre.
Vielleicht ist dieser Krimi die richtige Ferienliteratur.
Viel Spaß beim Lesen!
Übrigens: Zunächst viel Spaß auch beim Finden dieser Titel.
Beide gibt es nur noch antiquarisch, am besten auf der den meisten von Ihnen sicher gut vertrauten Homepage von 4.100 Antiquariaten aus 27 Ländern - www.zvab.com.
Bleiben Sie uns gewogen.
Herzlich,
Ihr Wolfgang Bathe und Ihre Kerstin Preuß

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