jenakolleg-Rundbrief im Februar 2011
Liebe Kunden und Freunde von jenakolleg,
liebe Interessenten!
Der Juni
Die Zeit geht mit der Zeit: Sie fliegt.
Kaum schrieb man sechs Gedichte,
ist schon ein halbes Jahr herum
und fühlt sich als Geschichte.
Die Kirschen werden reif und rot,
die süßen wie die sauern.
Auf zartes Laub fällt Staub, fällt Staub,
so sehr wir es bedauern.
Aus Gras wird Heu. Aus Obst Kompott.
Aus Herrlichkeit wird Nahrung.
Aus manchem, was das Herz erfuhr,
wird, bestenfalls, Erfahrung.
Es wird und war. Es war und wird.
Aus Kälbern werden Rinder
und, weil’s zur Jahreszeit gehört,
aus Küssen kleine Kinder.
Die Vögel füttern ihre Brut
und singen nur noch selten.
So ist's bestellt in unsrer Welt,
der besten aller Welten.
Spät tritt der Abend in den Park,
mit Sternen auf der Weste.
Glühwürmchen zieh’n mit Lampions
zu einem Gartenfeste.
Dort wird getrunken und gelacht.
In vorgerückter Stunde
tanzt dann der Abend mit der Nacht
die kurze Ehrenrunde.
Am letzten Tische streiten sich
ein Heide und ein Frommer,
ob's Wunder oder keine gibt.
- Und nächstens wird es Sommer...
Erich Kästner
Den Gedichtzyklus „Dreizehn Monate“ schrieb Erich Kästner 1955 für die „Schweizer Illustrierte Zeitung“. Aus dem Vorwort der im selben Jahr erschienen Buchausgabe: „Die hier gesammelten Gedichte schrieb ein Großstädter für Großstädter. Er versuchte sich zu besinnen. Denn man kann die Besinnung verlieren, aber man muss sie wiederfinden. Man müsste wieder spüren: Die Zeit vergeht, und sie dauert, und beides geschieht im gleichen Atemzug. Der Flieder verwelkt, um zu blühen. Und er blüht, weil er welken wird. Der Sinn der Jahreszeiten übertrifft den Sinn der Jahrhunderte. Die zweite Austreibung aus dem Paradies hat stattgefunden. Und Adam und Eva haben es diesmal nicht bemerkt. Sie leben auf der Erde, als lebten sie darunter. Ausflüchte sind keine Auswege. Schussfahrten sind Ausflüchte. Was, nun gar, könnten ein paar Verse vermögen? Sie wurden trotzdem notiert. Es hatte, wieder einmal und wie so oft, das letzte Wort - das kleine Wort Trotzdem.“
Natürlich haben Sie recht, wenn Sie sich über ein dem Juni gewidmetes Gedicht im Februar wundern. Zugegebenermaßen ein sehr schönes Gedicht. Weckt es ein wenig die Vorfreude auf den Frühsommer? Ich empfand es so, als ich wieder einmal den geliebten Kästner las…
Allerdings nicht ganz uneigennützig habe ich es an den Beginn unseres Rundbriefes gesetzt. Ich sah eine Verbindung zu unserer ersten Reise in diesem Jahr, die, Sie ahnen es schon, im Juni stattfindet. Nachdem im Dezember-Rundbrief die Mehrtagesreisen im Zentrum standen, möchten wir diesmal für zwei Tagesausflüge und eine Kurzreise Ihr Interesse wecken. Letztere ist in ihrer Dauer ein neues Produkt von jenakolleg, und wir sind gespannt auf Ihre Reaktion. Alle drei beginnen und enden in Jena und sind so besonders bequem für unsere Kunden in der Region Jena:
Kloster Chorin ist keine jener lieblichen Ruinen, darin sich's träumt wie auf einem Frühlingskirchhof, wenn die Gräber in Blumen stehen; es gestattet kein Verweilen in ihm, und es wirkt am besten, wenn es wie ein Schattenbild flüchtig an uns vorüberzieht. Wer hier in der Dämmerstunde des Weges kommt und plötzlich zwischen den Pappeln hindurch diesen still einsamen Prachtbau halb märchenhaft, halb gespenstisch auftauchen sieht, dem ist das Beste zuteil geworden, das diese Trümmer, die kaum Trümmer sind, ihm bieten können. Die Poesie dieser Stätte ist dann wie ein Traum, wie ein romantisches Bild an ihm vorübergezogen, und die sang- und klanglose Öde des Innern hat nicht Zeit gehabt, den Zauber wieder zu zerstören, den die flüchtige Begegnung schuf.
(Theodor Fontane, Wanderungen durch die Mark Brandenburg)
Gibt es einen geeigneteren Aufführungsort für die „Carmina Burana“ von Carl Orff (1895-1982) als die gewaltige hochgotische Anlage des Zisterzienserklosters Chorin? Beide, die Texte der Kantate und das bedeutendste Zeugnis der Bachsteingotik in Brandenburg, sind im Hochmittelalter entstanden. Wir werden die sinnlichen Eindrücke von Bildern und Musik lange in unserem Gedächtnis bewahren…
Brandenburg und preußische Geschichte – untrennbar miteinander verbunden. Erleben Sie die zauberhafte märkische Landschaft und lassen Sie sich mitnehmen zu zwei Schlössern, die abseits der Haupttrassen der Touristenströme liegen. Die Fahrt mit einem Dampfschiff aus dem Jahr 1908 ermöglicht genussvolle Impressionen von den Edelsteinen der klassischen preußischen Architektur. Zwei Tage voller Abwechslung und faszinierender Eindrücke – gönnen Sie sich das doch einfach einmal!
Als besonderes Angebot für Teilnehmer, die nicht in Jena wohnen: Ich kümmere mich um ein gutes und bezahlbares Quartier und begleite Sie am Freitag vor der Reise (natürlich kostenfrei) durch Jena und Umgebung!
Informationen und Buchungsmöglichkeiten unter:
www.jenakolleg.de/preussisches-elysium-unterwegs-in-der-mark-brandenburg-zweitagesreise-am-18-und-19-juni-2011.html
In meinen Augen hat der „Jedermann“ von Hugo von Hofmannsthal seit seiner Uraufführung im Jahre 1911 nichts von seiner Aktualität verloren, sondern eine geradezu schmerzhafte Bedeutung gewonnen. So wie heute, in unserer globalisierten Welt, weder eine Anbindung an Ideale, noch Mitleid den Absturz in die Ellenbogengesellschaft hemmen, wie ungezügeltes Gewinnstreben möglicherweise in eine Katastrophe führt, so wird der symbolhaft für uns stehende „Jedermann“ durch die Wiedergewinnung des Glaubens an höhere Werte gerettet…
(Brigitte Grothum über ihre Inszenierung im Berliner Dom)
Nach der sehr positiven Resonanz (trotz oder wegen der sehr derben Inszenierung des „Sommernachtstraums“?) auf unseren Tagesausflug in den Südwesten Thüringens zu Riemenschneider und Schiller sowie nach Meiningen zum Sommertheater fühlen wir uns von Ihnen ermutigt, das „Abenteuer“ zu wiederholen. Freuen Sie sich auf die Aufführung eines der spektakulärsten Schauspiele der deutschen Theatergeschichte – den „Jedermann“ von Hugo von Hofmannsthal (uraufgeführt 1911 in Berlin). Besonders gespannt dürfen wir auf den Regisseur und Hauptdarsteller in einer Person sein – Winfried Glatzeder, der in dieser Rolle mehrfach in den großen Inszenierungen im Berliner Dom brillierte! Unvergesslich ist sein Paul in dem Kultfilm der DEFA „Die Legende von Paul und Paula“ mit Angelica Domröse (1973)…
Vor dem Abend in Meiningen besuchen wir eine der schönsten Residenzstädte der Region – Coburg. Bis 1918 war sie Teil der Doppelresidenz Sachsen-Coburg und Gotha und kam nach dem ersten freien Volksentscheid in Deutschland 1920 zum Freistaat Bayern. Die Heiratspolitik der dortigen Herzöge hat europäische Geschichte geschrieben und wirkt bis in die Gegenwart. Wir folgen ihren Spuren in der malerischen Altstadt, bevor wir die Veste Coburg besuchen, auch „Fränkische Krone“ genannt, die zu den größten Burganlagen Deutschlands gehört und neben reichen Kunstsammlungen an den fast sechsmonatigen Aufenthalt Luthers im Jahr 1530 erinnert.
Informationen und Buchungsmöglichkeiten unter:
www.jenakolleg.de/heiratsreservoir-europaeischer-fuerstenhoefe-und-grosses-theater-mit-glatzeder-tagesausflug-am-samstag-dem-23-juli-2011.html
Kirchenträume der Ottonen in Memleben – Europäische Gotik in Naumburg – Konzert und spritzige Interviews bei Rotkäppchen
„Das Unstruttal von Artern bis Naumburg ist, obwohl in der Luftlinie nur etwa 7 deutsche Meilen lang, nicht nur durch eine Fülle schöner, freilich mehr anmutiger und lieblicher, als großartiger Landschaften ausgezeichnet, sondern auch durch einen ungewöhnlichen Reichtum geschichtlicher Erinnerungen, die hier weiter als in irgend einer andern Gegend Deutschlands in die Vergangenheit zurückreichen. Eine geschichtlich merkwürdige Stätte reiht sich hier dicht an die andere, denn von den Stürmen der Völkerwanderung an bis auf die Zeit der Befreiungskriege war diese Stätte des Unstruttals der Schauplatz merkwürdiger Begebenheiten.“
(Aus: Führer durch das Unstruttal von Artern bis Naumburg von Prof. Dr. Hermann Grössler, Freyburg 1904)
Wenn auch am Ende des erlebnisreichen Tages der abschließende Höhepunkt eines Konzertes mit großem Orchester und geistreicher Moderation in industriegeschichtlicher Kulisse diesen krönt, muss sich das vorausgehende Programm nicht verstecken: Begeben Sie sich mit uns auf den Weg an die Unstrut zu den fast verblichenen Wurzeln der deutschen Geschichte nach Memleben zu König Heinrich, “… dem großen Förderer des Friedens und eifrigen Verfolger der Heiden“ und seinem Sohn, Kaiser Otto I., „Italiens Zier und Sachsens Heil“. Die grandiose Landesausstellung des Landes Sachsen-Anhalt über den „Ketzer von Naumburg“ (Rosemarie Schuder), der gotische Architektur und Plastik von Weltbedeutung in Naumburg schuf und bis heute geheimnisvoll bleibt, versammelt einzigartige Exponate aus ganz Europa. Zeit zum Verweilen, Nachdenken und Ausruhen gibt es im Großjenaer Blütengrund und im Landhaus von Max Klinger vor dem großen Musikerlebnis am Abend…
Informationen und Buchungsmöglichkeiten unter:
www.jenakolleg.de/zeugnisse-von-macht-und-kultur-tagesausflug-am-samstag-dem-27-august-2011.html
Wie immer noch einige Anregungen für stille Stunden:
CD-und Film-Tipp
Nach dem 150. Geburtstag im letzten Jahr erinnern wir 2011 an den 100.Todestag von Gustav Mahler. Im Vorjahr erschien das gesamte kompositorische Werk Mahlers in einer Edition. Aus den viele bereits erschienen Aufnahmen der Symphonien und der Lieder bietet die Gesamtedition Einspielungen aus den Archiven der Deutschen Grammophon und Decca mit Dirigenten wie Leonard Bernstein, Claudio Abbado, Herbert von Karajan, Georg Solti, Bernard Haitink, Giuseppe Sinopoli, Rafael, Kubelik, Pierre Boulez, Zubin Mehta, Riccardo Chailly, Seiji Ozawa und Carlo Maria Giulini. Die Gesangs- solisten sind: Christa Ludwig, Brigitte Fassbaender, Juliane Banse, Anne Sophie von Otter, Thomas Hampson und Thomas Quasthoff u.a. Diese wunderbare Kassette mit 18 (!) CDs gibt es zum unschlagbaren Preis von 41,99 € (www.amazon.de/Mahler-Complete-Ltd-ed-Quasthoff/dp/B003BZC2RU).
Wenn Sie noch ein bisschen in der Filmgeschichte stöbern möchten: Der große italienische Filmregisseur Luchino Visconti (1906-1976) verfilmte 1971 die Novelle „Der Tod in Venedig“ von Thomas Mann mit Dirk Bogarde in der Hauptrolle. Musik aus Gustav Mahlers 3. und 5. Sinfonie untermalt die ästhetischen Bilder des elegischen Films, der die morbide Atmosphäre der Novelle kongenial wiedergibt.
Bleiben Sie uns gewogen.
Mit Vorfrühlingsgrüßen
Ihr
Wolfgang Bathe
liebe Interessenten!
Der Juni
Die Zeit geht mit der Zeit: Sie fliegt.
Kaum schrieb man sechs Gedichte,
ist schon ein halbes Jahr herum
und fühlt sich als Geschichte.
Die Kirschen werden reif und rot,
die süßen wie die sauern.
Auf zartes Laub fällt Staub, fällt Staub,
so sehr wir es bedauern.
Aus Gras wird Heu. Aus Obst Kompott.
Aus Herrlichkeit wird Nahrung.
Aus manchem, was das Herz erfuhr,
wird, bestenfalls, Erfahrung.
Es wird und war. Es war und wird.
Aus Kälbern werden Rinder
und, weil’s zur Jahreszeit gehört,
aus Küssen kleine Kinder.
Die Vögel füttern ihre Brut
und singen nur noch selten.
So ist's bestellt in unsrer Welt,
der besten aller Welten.
Spät tritt der Abend in den Park,
mit Sternen auf der Weste.
Glühwürmchen zieh’n mit Lampions
zu einem Gartenfeste.
Dort wird getrunken und gelacht.
In vorgerückter Stunde
tanzt dann der Abend mit der Nacht
die kurze Ehrenrunde.
Am letzten Tische streiten sich
ein Heide und ein Frommer,
ob's Wunder oder keine gibt.
- Und nächstens wird es Sommer...
Erich Kästner
Den Gedichtzyklus „Dreizehn Monate“ schrieb Erich Kästner 1955 für die „Schweizer Illustrierte Zeitung“. Aus dem Vorwort der im selben Jahr erschienen Buchausgabe: „Die hier gesammelten Gedichte schrieb ein Großstädter für Großstädter. Er versuchte sich zu besinnen. Denn man kann die Besinnung verlieren, aber man muss sie wiederfinden. Man müsste wieder spüren: Die Zeit vergeht, und sie dauert, und beides geschieht im gleichen Atemzug. Der Flieder verwelkt, um zu blühen. Und er blüht, weil er welken wird. Der Sinn der Jahreszeiten übertrifft den Sinn der Jahrhunderte. Die zweite Austreibung aus dem Paradies hat stattgefunden. Und Adam und Eva haben es diesmal nicht bemerkt. Sie leben auf der Erde, als lebten sie darunter. Ausflüchte sind keine Auswege. Schussfahrten sind Ausflüchte. Was, nun gar, könnten ein paar Verse vermögen? Sie wurden trotzdem notiert. Es hatte, wieder einmal und wie so oft, das letzte Wort - das kleine Wort Trotzdem.“
Natürlich haben Sie recht, wenn Sie sich über ein dem Juni gewidmetes Gedicht im Februar wundern. Zugegebenermaßen ein sehr schönes Gedicht. Weckt es ein wenig die Vorfreude auf den Frühsommer? Ich empfand es so, als ich wieder einmal den geliebten Kästner las…
Allerdings nicht ganz uneigennützig habe ich es an den Beginn unseres Rundbriefes gesetzt. Ich sah eine Verbindung zu unserer ersten Reise in diesem Jahr, die, Sie ahnen es schon, im Juni stattfindet. Nachdem im Dezember-Rundbrief die Mehrtagesreisen im Zentrum standen, möchten wir diesmal für zwei Tagesausflüge und eine Kurzreise Ihr Interesse wecken. Letztere ist in ihrer Dauer ein neues Produkt von jenakolleg, und wir sind gespannt auf Ihre Reaktion. Alle drei beginnen und enden in Jena und sind so besonders bequem für unsere Kunden in der Region Jena:
- Preußisches Elysium – unterwegs in der Mark Brandenburg
Zweitagesreise am 18. und 19. Juni 2011
Kloster Chorin ist keine jener lieblichen Ruinen, darin sich's träumt wie auf einem Frühlingskirchhof, wenn die Gräber in Blumen stehen; es gestattet kein Verweilen in ihm, und es wirkt am besten, wenn es wie ein Schattenbild flüchtig an uns vorüberzieht. Wer hier in der Dämmerstunde des Weges kommt und plötzlich zwischen den Pappeln hindurch diesen still einsamen Prachtbau halb märchenhaft, halb gespenstisch auftauchen sieht, dem ist das Beste zuteil geworden, das diese Trümmer, die kaum Trümmer sind, ihm bieten können. Die Poesie dieser Stätte ist dann wie ein Traum, wie ein romantisches Bild an ihm vorübergezogen, und die sang- und klanglose Öde des Innern hat nicht Zeit gehabt, den Zauber wieder zu zerstören, den die flüchtige Begegnung schuf.
(Theodor Fontane, Wanderungen durch die Mark Brandenburg)
Gibt es einen geeigneteren Aufführungsort für die „Carmina Burana“ von Carl Orff (1895-1982) als die gewaltige hochgotische Anlage des Zisterzienserklosters Chorin? Beide, die Texte der Kantate und das bedeutendste Zeugnis der Bachsteingotik in Brandenburg, sind im Hochmittelalter entstanden. Wir werden die sinnlichen Eindrücke von Bildern und Musik lange in unserem Gedächtnis bewahren…
Brandenburg und preußische Geschichte – untrennbar miteinander verbunden. Erleben Sie die zauberhafte märkische Landschaft und lassen Sie sich mitnehmen zu zwei Schlössern, die abseits der Haupttrassen der Touristenströme liegen. Die Fahrt mit einem Dampfschiff aus dem Jahr 1908 ermöglicht genussvolle Impressionen von den Edelsteinen der klassischen preußischen Architektur. Zwei Tage voller Abwechslung und faszinierender Eindrücke – gönnen Sie sich das doch einfach einmal!
Als besonderes Angebot für Teilnehmer, die nicht in Jena wohnen: Ich kümmere mich um ein gutes und bezahlbares Quartier und begleite Sie am Freitag vor der Reise (natürlich kostenfrei) durch Jena und Umgebung!
Informationen und Buchungsmöglichkeiten unter:
www.jenakolleg.de/preussisches-elysium-unterwegs-in-der-mark-brandenburg-zweitagesreise-am-18-und-19-juni-2011.html
- Heiratsreservoir europäischer Fürstenhöfe und großes Theater mit Glatzeder
Tagesausflug am Samstag, dem 23. Juli 2011 in die Residenzen Coburg und Meiningen
In meinen Augen hat der „Jedermann“ von Hugo von Hofmannsthal seit seiner Uraufführung im Jahre 1911 nichts von seiner Aktualität verloren, sondern eine geradezu schmerzhafte Bedeutung gewonnen. So wie heute, in unserer globalisierten Welt, weder eine Anbindung an Ideale, noch Mitleid den Absturz in die Ellenbogengesellschaft hemmen, wie ungezügeltes Gewinnstreben möglicherweise in eine Katastrophe führt, so wird der symbolhaft für uns stehende „Jedermann“ durch die Wiedergewinnung des Glaubens an höhere Werte gerettet…
(Brigitte Grothum über ihre Inszenierung im Berliner Dom)
Nach der sehr positiven Resonanz (trotz oder wegen der sehr derben Inszenierung des „Sommernachtstraums“?) auf unseren Tagesausflug in den Südwesten Thüringens zu Riemenschneider und Schiller sowie nach Meiningen zum Sommertheater fühlen wir uns von Ihnen ermutigt, das „Abenteuer“ zu wiederholen. Freuen Sie sich auf die Aufführung eines der spektakulärsten Schauspiele der deutschen Theatergeschichte – den „Jedermann“ von Hugo von Hofmannsthal (uraufgeführt 1911 in Berlin). Besonders gespannt dürfen wir auf den Regisseur und Hauptdarsteller in einer Person sein – Winfried Glatzeder, der in dieser Rolle mehrfach in den großen Inszenierungen im Berliner Dom brillierte! Unvergesslich ist sein Paul in dem Kultfilm der DEFA „Die Legende von Paul und Paula“ mit Angelica Domröse (1973)…
Vor dem Abend in Meiningen besuchen wir eine der schönsten Residenzstädte der Region – Coburg. Bis 1918 war sie Teil der Doppelresidenz Sachsen-Coburg und Gotha und kam nach dem ersten freien Volksentscheid in Deutschland 1920 zum Freistaat Bayern. Die Heiratspolitik der dortigen Herzöge hat europäische Geschichte geschrieben und wirkt bis in die Gegenwart. Wir folgen ihren Spuren in der malerischen Altstadt, bevor wir die Veste Coburg besuchen, auch „Fränkische Krone“ genannt, die zu den größten Burganlagen Deutschlands gehört und neben reichen Kunstsammlungen an den fast sechsmonatigen Aufenthalt Luthers im Jahr 1530 erinnert.
Informationen und Buchungsmöglichkeiten unter:
www.jenakolleg.de/heiratsreservoir-europaeischer-fuerstenhoefe-und-grosses-theater-mit-glatzeder-tagesausflug-am-samstag-dem-23-juli-2011.html
- Zeugnisse von Macht und Kultur
Tagesausflug am Samstag, dem 27. August 2011
Kirchenträume der Ottonen in Memleben – Europäische Gotik in Naumburg – Konzert und spritzige Interviews bei Rotkäppchen
„Das Unstruttal von Artern bis Naumburg ist, obwohl in der Luftlinie nur etwa 7 deutsche Meilen lang, nicht nur durch eine Fülle schöner, freilich mehr anmutiger und lieblicher, als großartiger Landschaften ausgezeichnet, sondern auch durch einen ungewöhnlichen Reichtum geschichtlicher Erinnerungen, die hier weiter als in irgend einer andern Gegend Deutschlands in die Vergangenheit zurückreichen. Eine geschichtlich merkwürdige Stätte reiht sich hier dicht an die andere, denn von den Stürmen der Völkerwanderung an bis auf die Zeit der Befreiungskriege war diese Stätte des Unstruttals der Schauplatz merkwürdiger Begebenheiten.“
(Aus: Führer durch das Unstruttal von Artern bis Naumburg von Prof. Dr. Hermann Grössler, Freyburg 1904)
Wenn auch am Ende des erlebnisreichen Tages der abschließende Höhepunkt eines Konzertes mit großem Orchester und geistreicher Moderation in industriegeschichtlicher Kulisse diesen krönt, muss sich das vorausgehende Programm nicht verstecken: Begeben Sie sich mit uns auf den Weg an die Unstrut zu den fast verblichenen Wurzeln der deutschen Geschichte nach Memleben zu König Heinrich, “… dem großen Förderer des Friedens und eifrigen Verfolger der Heiden“ und seinem Sohn, Kaiser Otto I., „Italiens Zier und Sachsens Heil“. Die grandiose Landesausstellung des Landes Sachsen-Anhalt über den „Ketzer von Naumburg“ (Rosemarie Schuder), der gotische Architektur und Plastik von Weltbedeutung in Naumburg schuf und bis heute geheimnisvoll bleibt, versammelt einzigartige Exponate aus ganz Europa. Zeit zum Verweilen, Nachdenken und Ausruhen gibt es im Großjenaer Blütengrund und im Landhaus von Max Klinger vor dem großen Musikerlebnis am Abend…
Informationen und Buchungsmöglichkeiten unter:
www.jenakolleg.de/zeugnisse-von-macht-und-kultur-tagesausflug-am-samstag-dem-27-august-2011.html
Wie immer noch einige Anregungen für stille Stunden:
CD-und Film-Tipp
Nach dem 150. Geburtstag im letzten Jahr erinnern wir 2011 an den 100.Todestag von Gustav Mahler. Im Vorjahr erschien das gesamte kompositorische Werk Mahlers in einer Edition. Aus den viele bereits erschienen Aufnahmen der Symphonien und der Lieder bietet die Gesamtedition Einspielungen aus den Archiven der Deutschen Grammophon und Decca mit Dirigenten wie Leonard Bernstein, Claudio Abbado, Herbert von Karajan, Georg Solti, Bernard Haitink, Giuseppe Sinopoli, Rafael, Kubelik, Pierre Boulez, Zubin Mehta, Riccardo Chailly, Seiji Ozawa und Carlo Maria Giulini. Die Gesangs- solisten sind: Christa Ludwig, Brigitte Fassbaender, Juliane Banse, Anne Sophie von Otter, Thomas Hampson und Thomas Quasthoff u.a. Diese wunderbare Kassette mit 18 (!) CDs gibt es zum unschlagbaren Preis von 41,99 € (www.amazon.de/Mahler-Complete-Ltd-ed-Quasthoff/dp/B003BZC2RU).
Wenn Sie noch ein bisschen in der Filmgeschichte stöbern möchten: Der große italienische Filmregisseur Luchino Visconti (1906-1976) verfilmte 1971 die Novelle „Der Tod in Venedig“ von Thomas Mann mit Dirk Bogarde in der Hauptrolle. Musik aus Gustav Mahlers 3. und 5. Sinfonie untermalt die ästhetischen Bilder des elegischen Films, der die morbide Atmosphäre der Novelle kongenial wiedergibt.
Bleiben Sie uns gewogen.
Mit Vorfrühlingsgrüßen
Ihr
Wolfgang Bathe
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