jenakolleg-Rundbrief im Juni 2010
Liebe Kunden und Freunde von jenakolleg,
liebe Interessenten!
Vor lauter Lauschen und Staunen sei still
Vor lauter Lauschen und Staunen sei still,
du mein tieftiefes Leben;
dass du weisst, was der Wind dir will,
eh noch die Birken beben.
Und wenn dir einmal das Schweigen sprach,
lass deine Sinne besiegen.
Jedem Hauche gieb dich, gieb nach,
er wird dich lieben und wiegen.
Und dann meine Seele sei weit, sei weit,
dass dir das Leben gelinge,
breite dich wie ein Federkleid
über die sinnenden Dinge.
(Rainer Maria Rilke 1875 - 1926)
Der Winter war lang und der als Wonnemonat beschriebene Mai ließ wahrlich viele Wünsche offen. Vielleicht kommt im Rosenmonat Juni nun endlich die Zeit, sich solchen Gedanken, wie sie Rainer Maria Rilke bewegt haben mögen, hinzugeben.
Die Reise mit der Universität München ins schöne Eichsfeld bot ganz sicher schöne Plätze und die rechte Zeit zum Innehalten auch dafür.
Aber auch im August, im September und im Oktober werden solche und ähnliche Momente erfahrbar sein, wenn es für jenakolleg heißt, zauberhafte Regionen in Schlesien, Mähren und Böhmen zu entdecken.
Für jene, die sich hier noch anschließen möchten, sei im Folgenden noch einmal daran erinnert.
Wo einst Tundra und Taiga begannen?
Eine Reise nach Schlesien vom 2. bis 7. August 2010
Wer kennt Schlesien wirklich?
War es nicht eher so, wie Rolf-Bernhard Essig in der Süddeutschen Zeitung in einer Buchbesprechung über Schlesien schreibt, dass hinter der Ostgrenze (egal ob der deutschen oder der polnischen) für manchen von uns Tundra und Taiga begannen? Übertrieben? Sicher. Oder doch eher vielleicht. Aber wie viel ist davon noch heute in unseren Köpfen?
Eine komplizierte Geschichte mit großen Leistungen, vielen Tabus und weißen Flecken schreit geradezu nach tiefem Verständnis und kultureller Gerechtigkeit. Machen wir uns also auf den Weg zu sehen, zu verstehen und … uns zu verlieben…
http://www.jenakolleg.de/dort-wo-einst-tundra-und-taiga-begannen-reise-nach-schlesien-vom-02-bis-07-august-2010.html
Weinlust und Weltkultur
Eine Reise nach Mähren vom 5. bis 11. September 2010
Auf dieser Fahrt nach Mähren entdecken wir eine Region unseres Nachbarlandes Tschechien als fruchtbare Gegend, die von Weinreben bedeckt ist, als Gegend lebendiger Volksbräuche, freundlicher Menschen, eindrucksvoller Naturschönheiten und geschichtsträchtiger Orte. Eine Region, deren Bedeutung weit über ihre Grenzen hinaus ausstrahlt. Wir werden auf unserer Reise immerhin sechs von zwölf der tschechischen UNESCO-Weltkulturerbestätten bewundern können. Hier wächst ein Qualitätswein, dessen Genuss jeden Weinkenner nicht nur anhand vieler Prädikate, die diese erlesenen, aber auch preiswerten Weine tragen, überzeugen wird. Mähren ist geprägt von einem jahrhundertelangen Nebeneinander tschechischer, deutscher, österreichischer, christlicher und jüdischer Einflüsse. In Mähren gibt es so vieles zu entdecken, was trotz einer geografischen Nähe des Landes vielleicht vielen von uns unbekannt ist – das dann aber mit Sicherheit zu Unrecht.
http://www.jenakolleg.de/weinlust-und-weltkultur---eine-reise-nach-maehren-vom-5-bis-11-september-2010.html
Wo Märchen noch lebendig sind …
Eine Reise nach Südböhmen vom 12. bis 16. Oktober 2010
Laut Lord Norman Foster ist das im UNESCO-Welterbe verzeichnete Regensburg eine der schönsten Städte der Welt. Hier soll der Ausgangspunkt für eine Reise sein, die in eine manchmal nahezu märchenhaft anmutende Region Böhmens führt. Unerwartete architektonische und kulturhistorische Entdeckungen und die vielbesungene Böhmische Gastlichkeit - das werden nur einige Eindrücke sein, die Ihnen auf dieser Reise durch die größtenteils noch unzersiedelte harmonische Moldaulandschaft begegnen werden. Bedřich Smetanas großes Werk wird sich Ihnen von Tag zu Tag tiefer erschließen und sie werden begeistert sein von den wunderbar erhaltenen oder wiederhergerichteten Klöstern, Schlössern und Burgen mit einzigartigen Bibliotheken und Kunstschätzen, die große Geschichte lebendig werden lassen. Liebliche Parks und reizvolle Landschaften laden zum Innehalten und Verweilen ein.
Politisches / Musikalisches / CD-Tipp
Unsere Reisen berühren ein vielschichtiges historisches und kulturelles Erbe, das jeden auf seine Weise zur Auseinandersetzung zwingt. Beim Nachdenken über die sich gerade auch gegenwärtig leider ständig weiter zuspitzenden Probleme im Nahen Osten habe ich mich an ein Interview mit dem Musikdirektor der Staatsoper Berlin, Daniel Barenboim, erinnert.
1942 in Buenos Aires geboren, ist er russischer Abstammung und besitzt die argentinische, israelische, spanische und symbolisch die palästinensische Staatsangehörigkeit. 1999 begründete er das West-Eastern Divan Orchestra mit jüdischen und arabischen Musikern. Im August 2005 gab er mit diesem Orchester ein spektakuläres Konzert in Ramallah (Das Ramallah Konzert, Warner Cla, 2005).
Das oben erwähnte Interview erschien in "Die Zeit" am 10. Juni 2010 (Nr. 24). Unter der Überschrift "Wo ist die jüdische Intelligenz" beeindruckt Barenboim mit seiner Ehrlichkeit, seiner Verzweiflung und Trauer (www.zeit.de/2010/24/Barenboim-Interview).
Zum gleichen Thema liest man in "Die Zeit" vom 17. Juni 2010 (Nr. 25) ein Interview mit dem britisch-jüdischen Historiker Tony Judt (geb. 1948) unter der Überschrift "Sechs Klischees über Israel".
Literarisches
Am 10. Oktober 2010 wird der israelische Schriftsteller David Grossman (geb. 1954 in Jerusalem) in der Frankfurter Paulskirche den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhalten. Hier ein Zitat aus der Begründung:
"Den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verleiht der Börsenverein im Jahr 2010 David Grossman und ehrt damit den israelischen Schriftsteller, der sich aktiv für die Aussöhnung zwischen Israelis und Palästinensern einsetzt. In seinen Romanen, Essays und Erzählungen versucht er, nicht nur die eigene, sondern immer auch die Haltung der jeweils Andersdenkenden zu verstehen und zu beschreiben. David Grossman gibt dem schwierigen Zusammenleben eine literarische Stimme, die in der Welt gehört wird. Seine Bücher zeigen, dass die Spirale von Gewalt, Hass und Vertreibung im Nahen Osten nur durch Zuhören, Zurückhaltung und die Kraft des Wortes beendet werden kann. In seinem Hauptwerk 'Eine Frau flieht vor einer Nachricht' zeigt David Grossman die Bedeutung der Sprache für die Suche nach Identität und warnt vor ihrer zunehmenden Militarisierung. So bietet er inmitten einer Realität von Willkür, Zwang und Entfremdung Auswege aus dem jetzigen Zustand der Gesellschaft, die sich zwischen Krieg und Frieden befindet."
(aus der Mitteilung des Börsenvereins)
In oben erwähntem Roman "Eine Frau flieht vor einer Nachricht" (Hauser Belletristik, August 2009) verarbeitet er eigene traumatische Erfahrungen: Sein zweiter Sohn Uri stirbt am 12. August 2006 im zweiten Libanonkrieg, zwei Tage vor dem Waffenstillstand. Am 24. August veröffentlichte "Die Zeit" die Rede "Am Grab meines Sohnes", die mich noch heute erschüttert (www.zeit.de/2006/35/Trauerrede).
Bleiben Sie uns gewogen.
Mit nachdenklichen und dennoch auch sommerfrohen Grüßen,
Ihr Wolfgang Bathe und Ihre Kerstin Preuß

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