jenakolleg Rundbrief im November 2008
"Wer reisen will, der muss zunächst Liebe zu Land und Leuten mitbringen, mindestens keine Voreingenommenheit. Er muss den guten Willen haben, das Gute zu finden, anstatt es durch kritische Vergleiche totzumachen."
Theodor Fontane
Liebe Kunden und Freunde von jenakolleg!
Liebe Interessenten!
Auch im achtzehnten Jahr unseres Bestehens möchten wir unseren Kunden Leistungen anbieten, die Sie auf vertrauten Wegen Neues entdecken lassen und auf neuen Pfaden erstaunliche Einsichten und Erlebnisse ermöglichen.
Um Ihnen den Zugang zu unseren vielfältigen Angeboten zu erleichtern und weil wir gern über eine gemeinsam "erfahrene" Reise hinaus den Kontakt mit Ihnen halten möchten, werden wir ab sofort in regelmäßigen Abständen einen Newsletter versenden. Er soll neben den üblichen Mitteilungen unter unserem Motto "Reisen u n d Verweilen" kleine literarische Texte, CD- und Buchempfehlungen und Impressionen von unserer Arbeit transportieren. Vielleicht finden Sie die eine oder andere Anregung und verweilen und genießen ausnahmsweise auch einmal ohne uns. Das können Sie übrigens auch gern auf unserer Homepage tun, die in Kürze ebenfalls mit neuem Outfit erscheinen wird. - Über Ihre Meinungen und Hinweise zu unseren Versuchen, Sie anzusprechen und zu inspirieren, würden wir uns sehr freuen.
In der Planung unserer Reisen für das nächste Jahr ist im Wesentlichen der Rahmen abgesteckt.
Die unten aufgeführten Programme werden durch Tagesausflüge unter dem Thema "Entdeckungen in Mitteldeutschland" ergänzt. Diese Reisen haben ihren Ausgangs- und Endpunkt stets in Jena. Das dürfen Sie durchaus auch inhaltlich verstehen, denn wir wollen Ihnen gern zeigen, in welche kulturgeschichtlichen Traditionen und Verbindungen sich unsere Stadt und unsere Region einordnen und welche Impulse von hier ausgingen.
Entsprechende Reisen werden wir Ihnen im nächsten Newsletter vorstellen. Hierbei versuchen wir, auf originelle Weise die außerordentlichen Leistungen der Menschen dieser Region in Geschichte und Gegenwart den Reisenden näherzubringen und möglichst den Tag mit einem Konzert oder Theaterstück an einem schönen Platz ausklingen zu lassen.
Unsere Angebote richten sich zum einen an die größer werdende Zahl unserer Kunden in der Region, zum anderen an diejenigen, die sich in diesem dichtesten Kulturraum Deutschlands mit uns auf Spurensuche begeben wollen.
Die folgenden Reisen haben wir bereits für Sie vorbereitet. Wenn wir mit unseren kurzen Beschreibungen Ihr Interesse wecken konnten, informieren Sie sich bitte über Details des Reiseablaufes auf unserer Homepage unter www.jenakolleg.de oder bitten Sie uns, Ihnen diese Informationen zuzusenden.
90 Jahre Bauhaus in Mitteldeutschland - eine Reise zu den Ursprüngen von moderner Architektur, Kunst und Design
"Das Endziel aller bildnerischen Tätigkeit ist der Bau! … Architekten, Bildhauer, Maler, wir alle müssen zum Handwerk zurück! ... Der Künstler ist eine Steigerung des Handwerkers." Mit diesem Credo gründete Walter Gropius 1919 in Weimar das Bauhaus und leitete damit eine wahrhaft revolutionäre Epoche in Kunst, Design und Architektur ein, die weltweit bis in die Gegenwart wirkt. - In Weimar, Jena, Chemnitz und schließlich in d e r Bauhausstadt Dessau verfolgen wir die Spuren von Persönlichkeiten, die durch ihren künstlerischen Mut erneut von dieser Region aus positive geistige Impulse an die Welt gegeben haben.
Eingebettet in diesen Rahmen unserer Reise werden Sie außerdem die hervorragende Moderne-Sammlung Gunzenhauser in Chemnitz kennen lernen, einen Konzertbesuch im Anhaltischen Theater Dessau genießen können und der Landschaft, in der wir weilen, mit einem Besuch des Wörlitzer Parks Ihre Referenz erweisen.
Termin: 11. bis 16. Mai 2009
Weitere Informationen und Buchungsmöglichkeiten...
Friedrich Schiller - eine Reise anlässlich des 250. Geburtstages des Dichters
In den "Noten und Abhandlungen zu besserem Verständnis des Westöstlichen Diwans" schrieb Johann Wolfgang von Goethe: "Wer das Dichten will verstehen, muss ins Land der Dichtung gehen; wer den Dichter will verstehen, muss in Dichters Lande gehen."
- Getreu diesem Motto begeben wir uns anlässlich des 250. Geburtstages von Friedrich Schiller auf Spurensuche in Thüringen, das nach seiner frühen Flucht aus der schwäbischen Heimat zu dessen Lebensmittelpunkt wurde. Nicht nur Weimar, sondern auch Bauerbach, Jena, Rudolstadt, Meiningen sind entscheidende Stationen für die Person Schillers, deren Leben und Werk. Nähern Sie sich mit uns einem einzigartigen Menschen!
Termin: voraussichtlich Mai/Juni 2009
Entdeckungen in Sachsen-Anhalt - Romanik, Gartenträume und Musik
Beeindruckende Bauten von der Romanik bis zum Bauhaus - sinnliche Gärten - bezaubernde Musik und Kunst. So könnte man in aller Kürze die Eckpunkte dieser Reise in die Region zwischen Brocken und Elbe beschreiben, um die gesamte Fülle dieser Tage, zu denen wir Sie einladen, einigermaßen zu erfassen. Sie erleben begeisternde Aufführungen im Rahmen des MDR-Musiksommers entlang der Straße der Romanik, sie genießen die über 400-jährige Gartenkultur Sachsen-Anhalts, wie das Dessauer Gartenreich und den berühmten Wörlitzer Park und… und... und…
Termin: 07. bis 12. Juli 2009
Weitere Informationen und Buchungsmöglichkeiten...
Mährenreise
Auf dieser Fahrt nach Mähren entdecken wir eine Region unseres Nachbarlandes Tschechien als fruchtbare Gegend, die von Weinreben bedeckt ist, als Gegend lebendiger Volksbräuche, freundlicher Menschen, eindrucksvoller Naturschönheiten und geschichtsträchtiger Orte. - In einer beeindruckenden Dichte erleben wir sechs UNESCO-Weltkulturerbestätten in einer landschaftlich und kulturell reich gesegneten Region, die zu Unrecht vielen von uns vielleicht noch unbekannt ist. Entdecken Sie das faszinierende Erbe einer bewegten Geschichte, die vom jahrhundertelangen Nebeneinander tschechischer, deutscher, österreichischer, christlicher und jüdischer Einflüsse geprägt ist.
Termin: 01. bis 07. September 2009
Weitere Informationen und Buchungsmöglichkeiten...
Krakau, die Magische - die Kulturhauptstadt Polens
Lassen Sie sich vom magischen Zauber Krakaus verführen, der Stadt voll stolzer Tradition, in der polnische Könige residierten, einer Stadt voller Geschichte und Legenden, die sich in den einzigartigen Bauwerken ebenso wiederspiegeln wie im alltäglichen Leben. Diese atemberaubende Stadt voller Zukunft und erlebbarer Schönheit, deren gesamtes Zentrum zum Weltkulturerbe gehört, wird Sie in erlebnisreichen Tagen faszinieren und Ihnen immer wieder überraschende Augenblicke schenken. - Auf dem Heimweg wird Sie die Blume Europas, Breslau, die Hauptstadt Schlesiens, mit ihren in neuer Schönheit erstrahlenden Bürgerhäusern, den gewaltigen Backsteinkirchen, verspielten Barockpalästen und streng klassizistischen Ensembles durch ihren ganz eigenen Charme bezaubern. Start- und Endpunkt dieser unvergleichlichen Entdeckungsreise ist das wunderschöne Görlitz, eine einzigartige Perle der Architektur zu beiden Seiten der Neiße.
Termin: 13. bis 19. September 2009
Weitere Informationen und Buchungsmöglichkeiten...
UNSER SPEZIELLES ANGEBOT
Reise für Trauernde und Menschen in schwierigen Lebenssituationen
Wir wollen Ihnen helfen in einer Situation, in der Sie einen geliebten Menschen verloren haben oder aber selbst wieder Kraft brauchen, weil Sie diese bis zuletzt einem anderen gegeben haben. - Schönes mit Menschen zu erleben, die sich in ähnlichen Situationen gefangen fühlen, mit ihnen einen Austausch zu erfahren, keine Sorge zu haben, schief angeschaut und gemieden zu werden, wenn es Ihnen mal nicht gut geht oder auch wenn Sie trotz Ihrer Trauer mal richtig befreit lachen möchten - das kann für Sie wichtig sein, wieder ein Stück mehr auf einem lebensbejahenden Weg zu gehen.
Reise in die Oberlausitz
Sanfte Hügelzüge und die Bergketten des Zittauer Gebirges, weite Felder, alte Alleen, kleine Dörfer mit liebevoll restaurierten Umgebindehäusern, idyllische Orte an der Neiße und stille Wälder: das ist die Oberlausitz im Osten des Freistaates Sachsen. - Die Ruhe und Geborgenheit des Klosters Marienthal wird der ideale Ausgangspunkt sein, um hier Entspannung und Besinnung zu finden: neue Kraft zu tanken.
Termin: 22. bis 27. Juni 2009
Weitere Informationen und Buchungsmöglichkeiten...
Literarisches
Manchen Dichtern kommen wir in verschiedenen Phasen des Lebens näher, dann entfernen wir uns wieder von ihnen. Manchmal kommen sie zurück, wenn wir sie brauchen und eigene Erfahrungen sich in ihren Werken spiegeln.
So geht es mir gerade mit Erich Kästner (*1899 in Dresden; †1974 in München). Er hat nicht nur für mich die schönsten Kinderbücher der deutschen Literatur geschrieben, sondern auch viele wunderbare Gedichte, die heiter und melancholisch zugleich auf uns zukommen. Ab 1952 in dem Magazin "Schweizer Illustrierte Zeitung" abgedruckt, erschien 1957 die kleine Gedichtsammlung "Die dreizehn Monate" (ISBN: 978-3423110143)
Daraus natürlich das passende Gedicht, auch wenn es dem Charakter des Monats entsprechend etwas traurig klingt:
Der November
Ach, dieser Monat trägt den Trauerflor...
Der Sturm ritt johlend durch das Land der Farben.
Die Wälder weinten. Und die Farben starben.
Nun sind die Tage grau wie nie zuvor.
Und der November trägt den Trauerflor.
Der Friedhof öffnete sein dunkles Tor.
Die letzten Kränze werden feilgeboten.
Die Lebenden besuchen ihre Toten.
In der Kapelle klagt ein Männerchor.
Was man besaß, weiß man, wenn man's verlor.
Der Winter sitzt schon auf den kahlen Zweigen.
Es regnet, Freunde. Und der Rest ist Schweigen.
Wer noch nicht starb, dem steht es noch bevor.
Und der November trägt den Trauerflor.
Vielleicht möchten Sie wissen, warum gibt es bei Kästner einen dreizehnten Monat gibt? Lesen Sie selbst:
Der dreizehnte Monat
Wie säh er aus, wenn er sich wünschen ließe?
Schaltmonat wär? Vielleicht Elfember hieße?
Wem zwölf genügen, dem ist nicht zu helfen.
Wie säh er aus, der dreizehnte von zwölfen?
Der Frühling müßte blühn in holden Dolden.
Jasmin und Rosen hätten Sommerfest.
Und Äpfel hingen, mürb und rot und golden,
im Herbstgeäst.
Die Tannen träten unter weiß beschneiten
Kroatenmützen aus dem Birkenhain
und kauften auf dem Markt der Jahreszeiten
Maiglöckchen ein.
Adam und Eva lägen in der Wiese.
Und liebten sich in ihrem Veilchenbett,
als ob sie niemand aus dem Paradiese
vertrieben hätt.
Das Korn wär gelb. Und blau wären die Trauben.
Wir träumten, und die Erde wär der Traum.
Dreizehnter Monat, laß uns an dich glauben!
Die Zeit hat Raum!
Verzeih, daß wir so kühn sind, dich zu schildern.
Der Schleier weht. Dein Antlitz bleibt verhüllt.
Man macht, wir wissen's, aus zwölf alten Bildern
kein neues Bild.
Drum schaff dich selbst! Aus unerhörten Tönen!
Aus Farben, die kein Regenbogen zeigt!
Plündre den Schatz des ungeschehen Schönen!
Du schweigst? Er schweigt.
Es tickt die Zeit. Das Jahr dreht sich im Kreise.
Und werden kann nur, was schon immer war.
Geduld, mein Herz. Im Kreise geht die Reise.
Und dem Dezember folgt der Januar.
Johann Sebastian Bach (*1685 in Eisenach; †1750 in Leipzig) ist oft auf unseren Reisen bei uns, sei es im Konzert oder am Ende eines Tages beim Tagesresümee im Bus.
Der zweite Satz aus dem Konzert für zwei Violinen und Orchester d-moll (BWV 1043, um 1718 in Köthen) wird von vielen Bachkennern (deren Urteil ich mir gern zueigen mache) als einer der schönsten langsamen Sätze in der Musikgeschichte bezeichnet. Vielleicht ist die Einspielung dieses und anderer Violinkonzerte mit Vater David und Sohn Igor Oistrach aus dem Jahr 1957 (Gewandhausorchester Leipzig unter Leitung von Franz Konwitschny) die stimmigste Interpretation (Berlin Classics, 1993).
Einer der bedeutendsten Historiker des 20. Jahrhunderts ist für mich Sebastian Haffner (*1907 in Berlin; †1999 ebenda). Gelingt es ihm doch, komplizierte Zusammenhänge vor allem der Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts nicht nur verständlich darzustellen, ohne diese zu vereinfachen, sondern auch noch höchst unterhaltsam und spannend zu schreiben. Seine Autobiographie "Geschichte eines Deutschen" (ISBN-13: 978-3423308489) gehört für mich zu den wertvollsten Lebenserinnerungen in der deutschen Literatur. Seine Werke begleiten mich vor allem bei Reisen, die Themen der preußischen Geschichte berühren. Hier der letzte Abschnitt seines Aufsatzes über Otto von Bismarck (Preußische Profile: Porträts von 12 herausragenden Preußen - von Friedrich Wilhelm I. über Otto von Bismarck und Friedrich Engels bis hin zu Ernst Niekisch, ISBN: 978-3548265865):
Bismarcks Werk hat wenig Dauer gehabt. Sein Wirken bleibt trotzdem ewig faszinierend. Es bleibt ein Nachhall wie von großer Musik, -"ich will Musik machen, wie ich sie für gut befinde oder gar keine", so hat er einmal gesagt. Was er gebaut hat, waren Strukturen aus Fließendem, so wie Symphonien Strukturen aus Fließendem sind, kommend und gehend wie Wasserwogen... Der Vergleich stammt von Bismarck selbst. Hier ist ein letztes Bismarck-Zitat - nicht etwa, wie man denken könnte, von dem verbitterten Bismarck der letzten Jahre, sondern aus der größten Zeit: "Wie Gott will; es ist ja alles doch nur eine Zeitfrage. Völker und Menschen, Torheit und Weisheit, Krieg und Frieden, sie kommen und gehen wie Wasserwogen, und das Meer bleibt. Was sind unsere Staaten und ihre Macht und Ehre vor Gott anderes als Ameisenhaufen und Bienenstöcke, die der Huf des Ochsen zertritt oder das Geschick in Gestalt eines Honigbauern ereilt." Soviel traurige Weisheit, und dann doch, im Angesicht der Vergeblichkeit, soviel Tat - das ist Bismarck. Man findet es nicht oft zusammen. Wer ein Ohr für diesen besonderen Akkord hat, den ergreift es, wie sonst kaum etwas auf der Welt.
Natürlich sind wir nun gespannt auf Ihre freundlich-kritische Reaktion. Das betrifft sowohl Ihre Meinung zu den Reiseangeboten als auch Ihre Bewertung des Newsletters. Ganz glücklich würden wir uns schätzen, wenn Sie uns weiterempfehlen könnten. Gern berücksichtigen wir auch Ihre Empfehlungen von weiteren Interessenten an unserem Newsletter.
Bleiben Sie uns gewogen.
Herzlich,
Ihr Wolfgang Bathe und Ihre Kerstin Preuß
Sie erhalten diesen Newsletter aufgrund Ihrer Anmeldung auf jenakolleg.de. Wenn Sie unseren Newsletter nicht mehr erhalten möchten, klicken Sie bitte hier.
















