jenakolleg-Rundbrief im Oktober 2009
Liebe Kunden und Freunde von jenakolleg!
Liebe Interessenten!
Spät im Jahr
Habt Vorrat ihr genug, ihr meine Augen,
Für einen Winter, lang und weiß und grau?
Nehmt noch dies Asternrot, dies weiche Lila,
Dies späte Gelb, dies herbstlich klare Blau
Und nehmt den Silberglanz der großen Flüge
Des Habichts und des Eichelhähers wahr,
Und auch den Birnbaum nehmt, ein gold'nes Gleichnis
Des Überschwangs vom segensreichen Jahr.
Und endlich nehmt das Lächeln und die reine Strahlung
des schönen Menschenangesichts,
Und alle Nacht wird herrlich euch erhellt sein
Vom farb'gen Widerschein geliebten Lichts.
Albrecht Goes
Dieser Herbst hat sich uns nun schon von den unterschiedlichsten Seiten gezeigt:
Während
am 7. Oktober mancherorts noch überschwänglich die Sommerkleider
hervorgeholt worden waren, galt es eine Woche später schon, die
Winterstiefel anzuziehen, wie es zumindest auch die mit jenakolleg nach
Görlitz Reisenden erfahren haben. Schneebedecktes Oberlausitzer
Bergland am 15. Oktober – eine interessante Erfahrung! Aber wir alle
wissen ja, dass es kein schlechtes Wetter gibt, sondern nur unpassende
Kleidung und dass jene, die mit uns unterwegs sind, über genügend
Weisheit auch in dieser Hinsicht verfügen!
So wie es mit dem Voranschreiten des Herbstes ganz eindeutig an der Zeit ist, auf die Erfahrungen des vergehenden Jahres zurückzublicken und sich an vielen gelungenen gemeinsamen Unternehmungen zu erfreuen, so ist es natürlich unbedingt auch an der Zeit, einen ersten konkreten Ausblick auf das nächste Jahr zu geben.
Die
ersten Reiseangebote stehen dank der unermüdlichen Arbeit von Herrn Dr.
Creutzburg auf unserer jenakolleg-Seite im Internet und sollen an
dieser Stelle kurz benannt werden:
• Bachstätten in Thüringen vom 17. bis 21. Juli 2010
Auf
dieser Reise wollen wir den lebendigen Spuren Johann Sebastian Bachs in
Thüringen folgen und uns auf diese Weise der Entwicklung eines Genies
nähern, dessen wirkliche Größe erst lange nach seinem Tode eine
Würdigung erfuhr und dessen ungeahnter künstlerischer und spiritueller
Reichtum wohl auch für zukünftige Generationen noch genügend
Inspiration und Entdeckungsfreude bereithält.
Informationen und Buchungsmöglichkeiten unter: http://www.jenakolleg.de/bachstaetten-in-thueringen-reise-vom-17-bis-21-juli-2010.html
• Reise nach Mähren vom 5. bis 11. September 2010
Auf
dieser Fahrt nach Mähren entdecken wir eine Region unseres
Nachbarlandes Tschechien als fruchtbare Gegend, die von Weinreben
bedeckt ist, als Gegend lebendiger Volksbräuche, freundlicher Menschen,
eindrucksvoller Naturschönheiten und geschichtsträchtiger Orte. Eine
Region, deren Bedeutung weit über ihre Grenzen hinaus ausstrahlt. Wir
werden auf unserer Reise immerhin sechs von zwölf der tschechischen
UNESCO-Weltkulturerbestätten bewundern können. Hier wächst ein
Qualitätswein, dessen Genuss jeden Weinkenner nicht nur anhand vieler
Prädikate, die diese erlesenen, aber auch preiswerten Weine tragen,
überzeugen wird. Mähren ist geprägt von einem jahrhundertelangen
Nebeneinander tschechischer, deutscher, österreichischer, christlicher
und jüdischer Einflüsse. In Mähren gibt es so vieles zu entdecken, was
trotz einer geografischen Nähe des Landes vielleicht vielen von uns
unbekannt ist – das dann aber mit Sicherheit zu Unrecht.
Informationen und Buchungsmöglichkeiten unter: http://www.jenakolleg.de/maehren---eine-reise-vom-5-bis-11-september-2010.html
• Auf den Spuren von Martin Luther und Philipp Melanchthon vom 11. bis 15. September 2010
Anlässlich
der Lutherdekade und des 450. Todestages Philipp Melanchthons möchten
wir Sie gern mit auf eine Reise nehmen, bei der die Spuren dieser
wegweisenden Männer der Reformation in Mitteldeutschland erleb- und
erfahrbar werden. Die Wartburg in Eisenach, auf der Dr. Martin Luther
die Bibel ins Deutsche übersetzte, gehört dabei selbstverständlich
genauso dazu wie Erfurt, als der Ort, an dem er die maßgeblichen
Entscheidungen für seinen theologischen Weg traf, und natürlich auch
sein Geburts- und Sterbeort Eisleben. Wittenberg als der Hauptort
Luthers reformatorischen Wirkens nimmt einen wichtigen Platz ein und
Torgau, wo nicht nur seine ersten eigenen Ideen eines Kirchenbaus, der
dem protestantischen Gedanken entsprach, umgesetzt wurde. Auch die
Ruinen des Klosters Nimbschen dürfen keinesfalls vergessen werden. Wir
nähern uns in Wittenberg und Torgau unvermeidlich auch Philipp
Melanchthon, der neben Martin Luther eine treibende Kraft der deutschen
und europäischen kirchenpolitischen Reformation war und auch
„Praeceptor Germaniae“ (Lehrer Deutschlands) genannt wurde. Nicht
zuletzt soll Katharina von Bora, die Luther zärtlich „Herr Käthe“ oder
seine „Ehewirtin“ nannte, eine besondere Würdigung erfahren.
Und wie
immer werden alle Erlebnisse und Erfahrungen dieser Reise eingebettet
sein in einen großen Kontext über Land und Leute, Geschichte, Kunst und
Kultur der Region, in der wir uns bewegen.
Informationen und Buchungsmöglichkeiten unter: http://www.jenakolleg.de/auf-den-spuren-von-martin-luther-und-philipp-melanchthon-reise-vom-11-bis-15-september-2010.html
Weitere
Reisen und auch Tagesausflüge werden wir Ihnen in Kürze vorstellen.
Dann werden wir auch das Resultat der angekündigten Auslosung aus Ihren
Reaktionen auf unsere Meinungsumfrage im August - Newsletter bekannt
geben.
Selbstverständlich gibt es neben unseren Angeboten, die man
individuell wahrnehmen kann, wie in jedem Jahr auch wieder die für
spezielle Gruppen geplanten Reisen, die unseren Kalender füllen.
Bitte
scheuen Sie sich nicht, uns zu kontaktieren, wenn Sie Fragen, Wünsche
oder Anmerkungen zu unseren Vorhaben für 2010 oder in anderer Hinsicht
haben.
Musikalisches / CD-Tipp
Ein
Besuch im Felix-Mendelssohn-Bartholdy-Haus in Leipzig hat neben der
Wahrnehmung der sehr schön gestalteten Räumlichkeiten des Gebäudes in
der Leipziger Goldschmidtstraße 12, das als letzte und einzige private
Adresse des Komponisten Felix Mendelssohn Bartholdy erhalten geblieben
ist, auch eine sehr interessante Entdeckung mit sich gebracht:
In
einem der Räume ist es möglich, sich Hörbeispiele von unterschiedlichen
Interpretationen des 4. Satzes seiner 3. Symphonie A-Moll op. 56, der
Schottischen, anzuhören und dabei zu erleben, wie verschiedene namhafte
Dirigenten mit der Umsetzung der Komposition umgegangen sind. Neben
großartigen Aufnahmen mit Masur, Konwitschny, Norrington, Abbado,
Davies, Karajan und Harnoncourt ist dort auch eine mit Riccardo Chailly
und dem Leipziger Gewandhausorchester zu finden, die wir Ihnen gern
empfehlen möchten:
• Riccardo Chailly | Mendelssohn Discoveries (CD)
Music Director & Conductor: Riccardo Chailly
Klavier: Roberto Prosseda
Orchester: Gewandhausorchester Leipzig
VÖ: 08.09.2009 VÖ: 2009 Label: Decca | CD Bestellnr.: 0028947815259 Decca
Literarisches
Zu
den Büchern, die uns beide in den zurückliegenden Monaten sehr
beeindruckt haben, gehören unter anderen zwei einzigartige
Reisebeschreibungen des Zeit-Autors Wolfgang Büscher:
• Berlin-Moskau. Eine Reise zu Fuß.
Aus dem Klappentext:
2002
ist Wolfgang Büscher zu Fuß von Berlin nach Moskau gelaufen. Allein. An
die drei Monate. Im Hochsommer hat er die Oder überquert, an der
russischen Grenze hat er die Herbststürme erlebt und vor Moskau dann
den ersten Schnee. Büscher erkundet Menschen und Orte, erzählt von
einer polnischen Gräfin, die eine der geheimnisvollsten Gestalten des
Zweiten Weltkriegs war; von Schmugglerinnen, mit denen er die
weißrussische Grenze überquert; von einem sibirischen Yogi, den er in
Minsk kennenlernt; einem russischen Freund, mit dem er in die verbotene
Zone von Tschernobyl fährt; einem Priester aus Smolensk, der ihn in
einen mysteriösen Wald mit roten Zauberbäumen schickt; von seltsamen
Begegnungen kurz vor Moskau sowie von einem nächtlichen Kampf. Und
natürlich trifft Büscher auf die Gespenster der jüngsten Vergangenheit:
Er ist teils Napoleons Weg gegangen und ziemlich exakt den der
Heeresgruppe Mitte.
• Deutschland, eine Reise.
Aus dem Klappentext:
Drei
Monate war der Journalist Wolfgang Büscher unterwegs. Zu Fuß, per Bus
oder per Anhalter reiste er den Grenzen folgend 3.500 Kilometer um
Deutschland. Dabei lagen bekannte wie unbekannte und immer wieder
mythische Orte an seinem Weg. Und er stieß auf Charaktere, von denen
man glauben könnte, sie seien bloß erfunden, wie den Schlossherrn, der
an der böhmischen Grenze ein Doppelleben führt, oder den Schmuggler
Orlando im Kleinen Walsertal. Am Ende hat Büscher ein Land kennen
gelernt, das sehr viel sonderbarer ist, als wir alle glauben.
Vielleicht
kennen Sie ja diese oder andere Bücher des Autors, der lange Jahre für
die Süddeutsche Zeitung, für GEO und die Neue Zürcher Zeitung
geschrieben hat. Wenn nicht, so könnten sie vielleicht eine
Neuentdeckung oder Anregung gerade für die langsam dunkler werdenden
Herbsttage sein.
…ein ganz besonderes Anliegen…
Sie
erinnern sich: Mit unserem Augustbrief hatten wir Ihnen ein Schreiben
Prof. Kiesows in die Hand gegeben, in dem er sich dazu äußert, dass
Görlitz für ihn eine der schönsten deutschen Städte sei. Dass wir uns
dem anschließen, steht nach unseren eigenen Erfahrungen ganz außer
Frage.
Nun aber ist aus eben dieser Stadt an der Neiße Bedenkliches
zu vernehmen. Im Oktober wurde im Görlitzer Anzeiger ein Schreiben
veröffentlicht, in welchem CDU, FDP, der Bürger-für-Görlitz-Verein und
die Grünen Mittelkürzungen und den Verkauf städtischen Eigentums
fordern. Eine der Forderungen, über die auch im Regionalfernsehen
heftig diskutiert wurde, ist die nach einer Ausgliederung der Unteren
Denkmalschutzbehörde aus den Aufgaben der Stadt. Das ist etwas, was
nicht nur aufhorchen lässt, sondern für unsere Begriffe außerordentlich
alarmierend ist! Schließlich waren es Mitarbeiter des Denkmalschutzes,
denen zu verdanken ist, dass die Görlitzer Altstadt vierzig Jahre
realsozialistischen Aufbaus zum allergrößten Teil überlebt hat und sich
heute in ungeahnter Schönheit präsentiert! Was hier in 20 Jahren nach
der Wende erreicht wurde, läuft so Gefahr in kürzester Zeit wieder
zunichte gemacht zu werden. Jetzt schon stehen die ersten Eigentümer in
den Startlöchern, um bei einer möglichen Aufweichung von –
zugegebenermaßen – sehr strikten, aber notwendigen
Denkmalschutzvorschriften kostengünstiger, aber eben nicht mehr dem
mühsam erreichten und unvergleichlich einmaligen historischen Bild der
Stadt entsprechend, zu bauen oder zu sanieren.
Wir können nur
hoffen, dass ein Stadtrat, der jüngst noch beschlossen hat, dass die
Stadt sich für eine Aufnahme in die UNESCO-Weltkulturerbeliste bewerben
sollte, nun nicht diesen Sprung schon im Ansatz zunichtemacht.
jenakolleg
wird sich natürlich mit seinen Bedenken gegenüber solch absurden
Gedankengängen von Politikern an die maßgeblichen Stellen wenden. Da
wir aber wissen, dass unter Ihnen auch Viele sind, die Görlitz
ebenfalls schätzen und lieben gelernt haben, wagen wir es, mit der
folgenden Bitte an Sie heran zu treten: Wenden Sie sich an die
Verantwortlichen in Görlitz, wenn Sie unsere Bedenken teilen.
Die Adresse des Oberbürgermeisters lautet:
Herrn Oberbürgermeister Joachim Paulick
Stadtverwaltung Görlitz
Untermarkt 6-8
02826 Görlitz
Wir danken Ihnen sehr in dem gemeinsamen Bemühen, eine kulturhistorische Leistung zu erhalten, die unwiederbringlich ist.
Wir
wünschen Ihnen eine schöne Herbstzeit. Vielleicht konnten Sie ja
unserem Schreiben jetzt schon die eine oder andere Anregung zu Ihren
Planungen für das Jahr 2010 entnehmen …
Bleiben Sie uns gewogen.
Herbstlich herzlich,
Ihr Wolfgang Bathe und Ihre Kerstin Preuß

PS: Wenn Sie gern noch einmal in unserem August-Newsletter nachlesen möchten, was Professor Kiesow, der verdienstvolle Vorsitzende des Vorstandes der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, über Görlitz geschrieben hat, so finden Sie diesen Newsletter im Newsletter-Archiv auf unserer Homepage oder direkt unter http://www.jenakolleg.de/newsletter-anzeigen/items/jenakolleg-rundbrief-im-august-2009.html
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